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Feeds & Feelings: neue Studien von DGESS Mitgliedern zu Stimmung, Körperzufriedenheit und Essverhalten im Social-Media Kontext

Eine systematische Übersichtsarbeit über 22 Studien zeigt: Häufigere Social-Media Nutzung steht mit Symptomen von Essstörungen und Muskeldysmorphie (übermäßige Sorge, nicht muskulös genug zu sein) in Zusammenhang, besonders bei ernährungs-, fitness- und körperidealbezogenen Inhalten. Da die meisten eingeschlossenen Studien querschnittlich angelegt sind, lassen sich daraus keine einfachen Ursache-Wirkungs-Schlüsse ziehen. Die Befunde sprechen jedoch dafür, Social Media als Kontext zu verstehen, in dem bestimmte Inhalte häufiger gemeinsam mit bestimmten Symptomen auftreten.

⇒ Vintró-Alcáraz, C., Ballero-Reque, C., Paslakis, G., & Testa, G. (2025). Idealized Body Images and Fitness Lifestyles on Social Media: A Systematic Review Exploring the Link Between Social Media Use and Symptoms of Orthorexia Nervosa and Muscle Dysmorphia. European Eating Disorders Review. Advance online publication. https://doi.org/10.1002/erv.70027

In einem Online-Experiment betrachteten 131 Frauen typische Fitspiration-Posts (Fitness- und Körperidealbilder in sozialen Medien). Dabei sagte eine stärkere Neigung zu körperbezogenen sozialen Aufwärtsvergleichen, also sich beim Betrachten mit vermeintlich attraktiveren Personen zu vergleichen, das Ausmaß der anschließenden Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper vorher. Das zeigt: Nicht nur die Bilder selbst sind relevant, sondern auch die Vergleiche, die beim Betrachten ausgelöst werden.

⇒ Ladwig, G., Schönhals, K., Tanck, J. A., Quittkat, H. L., & Vocks, S. (2025). Upward comparison predicts an increase in state body dissatisfaction after fitspiration exposure. Scientific Reports, 15(1). https://doi.org/10.1038/s41598-025-29830-5

In einer anderen Studie betrachteten 129 Studentinnen fünf Minuten lang Instagram-Profile: entweder "Clean-Eating"-Posts, die unverarbeitete und als besonders "rein" oder "gesund" geltende Lebensmittel hervorheben und andere als ungesund kennzeichnen, oder genussorientierte "Foodie"-Posts, bei denen Essen ohne Einteilung in gut und schlecht präsentiert wurde. Nach der Nutzung sank die positive Stimmung in beiden Gruppen. Bei Foodie-Posts nahm die negative Stimmung stärker ab, während sich Clean-Eating Inhalte tendenziell ungünstiger auf die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper auswirkten. Der Befund zeigt: Nicht nur Essen selbst, sondern auch die Art seiner Bewertung steht mit unterschiedlichen emotionalen Reaktionen in Zusammenhang.

⇒ Cossu, G., Riefler, A., & Hartmann, A. S. (2025). Food and mood: how clean eating content on social media influences affect and body satisfaction in women. Frontiers in Psychology, 16. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2025.1531142

In einer weiteren Studie von DGESS Mitgliedern nahmen Frauen mit erhöhtem Risikoprofil für Essstörungen an einer vierwöchigen Online-Gruppenintervention teil. Dort wurde nicht Social Media vermieden, sondern der Umgang damit trainiert: Mechanismen hinter Bildern verstehen, soziale Aufwärtsvergleiche reduzieren, Körperfunktionen statt Aussehen fokussieren und Grübelschleifen nach dem Scrollen unterbrechen. Im Vergleich zu einer Warte-Kontrollgruppe sanken Essstörungssymptome, Körperunzufriedenheit, Vergleichsdenken und negative Reaktionen auf Fitspiration Content deutlich. Die Studie zeigt: Der Einfluss sozialer Medien ist veränderbar, durch erlernbare Kompetenzen.

⇒ Ladwig, G., Schönhals, K., Quittkat, H. L., Dietel, F. A., & Vocks, S. (2025). Addressing the Negative Impact of Social Media on Body Image: An Online Randomized Controlled Pilot Trial. International Journal of Eating Disorders. Advance online publication. https://doi.org/10.1002/eat.24584

Die Studien zeigen insgesamt: Der Konsum spezifischer Social Media Inhalte steht im Zusammenhang mit Essstörungssymptomen, soziale Aufwärtsvergleiche stellen einen wichtigen Wirkmechanismus dar, und stark bewertete Ernährungsdarstellungen können sich ungünstig auf Stimmung und Körperbild auswirken. Gleichzeitig weisen die Befunde darauf hin, dass sich ein kompetenter Umgang mit potenziell belastenden Inhalten gezielt fördern lässt.

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