Platzhalter Pusteblumezu Essstörungen.

Durch die Pandemie waren kooperative wissenschaftliche Projekte erschwert. Im September 2021 wurde die Ausschreibung für die DGESS-Arbeitsgruppen (DGESS-AGs) veröffentlicht. Ziel ist es Aktivitäten von Mitgliedern unterstützen, die Vernetzung weiter aufzubauen und zu intensivieren und dass sich Arbeits- oder Interessen- gruppen zusammenfinden, die spezifische Aspekte von Essstörungen beforschen. Durch kooperatives wissenschaftliches Handeln sollen Prozesse zur Wissensvermehrung und zur besseren Unterstützung von Patient:innen vereinfacht und beschleunigt werden, um Pandemie bedingte Hürden besser überwinden zu können. Insgesamt werden 4 Projekte mit jeweils der Fördersumme von 6.000 €/Gruppe unterstützt.

Diese Anschubfinanzierung ist gedacht für:
o          multizentrische Projekte
o          Treffen zur Formung von Forschungsnetzen
o          Ressourcen auf Homepage für Öffentlichkeitsarbeit
o          Organisation von Workshops

 

AG „Diagnostik von Essstörungen bei Männern“

Essstörungen (ES) galten lange als „Mädchen-“ bzw. „Frauenkrankheit“, jedoch sind laut neueren, internationalen Studien Männer zunehmend betroffen und könnten bis zu jeden vierten Behandlungsfall stellen. Die Versorgungsrealität in Deutschland spiegelt dieses Verhältnis jedoch nicht annähernd wider, sodass von erheblichen Defiziten bei der Früherkennung von Essstörungen bei Männern und bei der Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten durch Männer auszugehen ist.

Ziel der Studie ist die Entwicklung und Optimierung der Früherkennung von Essstörungen bei Männern. Wie sich Essstörungen bei Männern äußern, mit welchen Risikofaktoren sie zusammenhängen und wie sie sich am ehesten entdecken lassen ist noch kaum erforscht. Internationale Studien zeigen, dass Männer im Vergleich zu Frauen mit ES weniger auf Schlankheit bedacht sind, häufiger nach mehr Muskeln und Körpermasse streben und andere Muster in der Emotionsregulation zeigen, die mit der ES-Pathologie verbunden sind. Besondere Vulnerabilitäten werden auch für sexuelle Minderheiten vermutet. Infolgedessen gibt es bereits erste Bemühungen, Diagnosekriterien und -instrumente an das Störungsbild bei Männern anzupassen. Für den Deutschsprachigen Raum liegen bisher jedoch keine männerspezifischen Essstörungsscreenings oder -diagnoseverfahren vor. In einer online Fragebogenuntersuchung sollen daher die Zusammenhänge zwischen Essstörungsrisiko und Indikatoren allgemeiner Essstörungspathologie, Ernährungsverhalten und Körperwahr­nehmung bei Männern erfasst werden.

Antragsteller
Univ.-Prof. Dr. med. G. Paslakis, Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Lübbecke

Mitantragsteller
Prof. Sabine Steins-Löber, Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Bamberg
Prof. Nina Timmesfeld, Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Ruhr-Universität Bochum 

Kooperationspartner
Dipl. Psych. Petra Krause, Leiterin Landesfachstelle Essstörung, Köln

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AG Aufbau eines Kompetenznetzwerks „Virtuelle Realität in der Essstörungsforschung“

Das Kompetenznetzwerk „Virtuelle Realität in der Essstörungsforschung“ fördert den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen klinisch orientierten Wissenschaftler:innen und Computer­wissenschaftler:innen.

Virtuelle Realität, d.h. durch spezielle Hard- und Software künstlich erzeugte immersiv erlebbare Welt, ist nicht mehr nur der Kommunikations- und Unterhaltungsindustrie vorbehalten. Die Möglichkeit, Umgebungseinflüsse bei hoher ökologischer Validität zu standardisieren und zu kontrollieren, macht die Technologie grundsätzlich sehr interessant für Forschung und Therapie, auch im Bereich der Essstörungen. Die breite Anwendung scheitert jedoch bislang an fehlenden Konzepten zu Einsatzzielen der Technologie sowie am hohen technischen Aufwand bei der Programmierung virtueller Realitäten.

Das neu initiierte Kompetenznetzwerk „Virtuelle Realität in der Essstörungsforschung“ soll mithilfe von Netzwerk-Aktivitäten die Nutzung dieser neuen Technologie in Forschung und Therapie fördern. Kernziele sind (1) die Identifikation relevanter Fragestellungen und Anwendungsgebiete für den Essstörungsforschungsbereich, (2) Aufbau notwendigen Wissens zur technischen Umsetzung und Etablierung der Infrastruktur für die Durchführung entsprechender Projekte, sowie (3) das Bahnen zukünftiger kooperativer Forschungsprojekte.

Ausgangspunkt des Kompetenznetzwerks ist ein zweitägiger interdisziplinärer Workshop, der als Hybrid-Veranstaltung am 12. und 13. Mai in Dresden stattfindet.DGESS-Mitglieder erhalten die Möglichkeit, per Stream an den Vorträgen teilzunehmen. Die weitere Netzwerkarbeit soll im Rahmen der zweijährigen DGESS-Konferenzen terminiert werden.
Workshop "Virtuelle Realität in der Essstörungsforschung"

Antragstellerin/Sprecherin:
Dr. Simone Behrens, Universitätsklinikum Tübingen, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Mitantragsteller:
Dr. Ilka Böhm, Psychosoziale Medizin und Entwicklungsneurowissenschaften, TU Dresden
Dr. Maria Seidel, Psychosoziale Medizin und Entwicklungsneurowissenschaften, TU Dresden
Prof. Dr. Stephan Streuber, Fakultät für Elektrotechnik und Informatik, Hochschule Coburg

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AG "Die 3. Welle bei der Behandlung der Binge Eating-Störung aus transitionaler und transtheoretischer Perspektive"

Der Behandlungserfolg bei PatientInnen mit einer Binge Eating-Störung (BES) ist nach wie vor unzureichend und es besteht ein dringender Bedarf, die Behandlung der BES durch innovative Behandlungsmethoden zu optimieren. Eine Möglichkeit stellt dabei die Behandlung mit Methoden aus der „Dritten Welle“ der kognitiven Verhaltenstherapie dar, bei denen besonders auf ein funktionales Erleben und Verarbeiten von Emotionen fokussiert wird. Die Behandlungsmethoden reichen von achtsamkeitsbasierten Ansätzen, Dialektische behavioraler Therapie, Interpersoneller Therapie bis hin zu Schematherapie. In unserer multizentrischen Arbeitsgruppe werden Schulen übergreifend in allen Altersgruppen Behandlungsmethoden der „Dritten Welle“ bei PatientInnen mit Binge Eating-Störung untersucht. Dazu wird die bisherige Evidenz zunächst im Rahmen eines Workshops zusammengebracht und in einem systematischen Überblicksartikel strukturiert und veröffentlicht. Resultierend aus diesen Ergebnissen wird eine multizentrische Pilotstudie entwickelt, in der der Einfluss von zugrunde liegenden Mechanismen dieser Behandlungsmethoden untersucht werden soll.

Aktuelle Mitglieder:
Dr. Kathrin Schag (Hauptantragstellerin, Tübingen)
Prof. Dr. Tanja Legenbauer (Mitantragstellerin, Bochum)
Dr. Hanna Preuss-van Viersen (Mainz)
Dr. Jessica Werthmann (Freiburg)
PD Dr. Eva Skoda (Duisburg/Essen)
Dr. Elisabeth Leehr (Münster)
Dr. Arne Bürger (Würzburg)
Laura Derks (Bochum)
Florian Hammerle (Mainz)
Maarit Pelzer (Freiburg)
Vanessa Rentrop (Essen)

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